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Pfarrinfo 14. bis 28. April 2019 (pdf)

OSTERN

Das Osterfest steht knapp bevor. Es ist das zentrale Fest des Christentums.

Betrachten wir die Zeit unmittelbar bevor:

Am Palmsonntag gedachten wir des glanzvollen Einzugs Jesu in Jerusalem. Wir hörten förmlich den Jubel der Massen, das Hosiannah-Rufen. Als was wurde er begrüßt? Als bekannter Prediger oder als Befreier, als Erlöser, als der langersehnte Messias? Wahrscheinlich unterschieden sich die Erwartungen der begeisterten Menge voneinander. Religiöse Sehnsüchte und politische Hoffnungen waren wohl nebeneinander vertreten.

Wie fühlte sich der Mensch Jesus dabei? Er war Menschenmengen gewohnt; er war es auch gewohnt, quasi als Nothelfer angesehen zu werden. Viele hatte er von Krankheiten geheilt, er hatte Tote auferweckt. Nie nahm er für sich in Anspruch, all dies aus eigener Kraft vollbracht zu haben. Er war überzeugt, dass nur Gott das durch ihn bewirkt hatte. Wenn er Gott "Vater" nannte, bedeutete es nicht, dass er sich der eigenen Göttlichkeit bewusst war, es zeugt vielmehr von seinem tiefen Vertrauen in die Güte und Liebe Gottes.

Menschen sind wankelmütig, sie sind leicht beeinflussbar, sie neigen dazu, sich einer Mehrheit anzuschließen. Jesus, der Menschen geholfen hatte - ohne Ansehen ihres Standes - vom römischen Hauptmann, dem Steuereintreiber, den Kranken bis hin zu den Ausgestoßenen der Gesellschgaft, den Gesetzesbrechern und Sündern. Diese Einstellung fand nicht nur Anhänger und Sympathisanten. Die Hohenpriester warfen ihm vor, das Gesetz nicht buchstabengetreu zu befolgen. Sie stießen sich an Sätzen wie "Der Mensch ist nicht für den Sabbath gemacht, sondern der Sabbath für den Menschen." Es war ihnen auch durchaus bewusst, dass ihnen ein gewisser Machtverlust drohte. Auch die Römer betrachteten die Entwicklung mit Sorge. Es waren unruhige Zeiten, viele waren unzufrieden mit der römischen Verwaltung und den hohen Abgaben. Andere wünschten einen Abzug der römischen Besatzung und die volle Souveränität Palestinas. Die Römer mussten einen Putschversuch fürchten - und die Zeit um das Paschafest, zu dem Juden von weit her nach Jerusalem strömten, schien besonders gefährlich.

Tatsächlich erhofften auch viele Juden, dass Jesus ein jüdisches Königreich errichten würde.

Am Donnerstag, als Jesus mit seinen engsten Vertrauten beim Abendmahl zusammen war, musste es allen klar gewesen sein, dass die Stimmung in der Stadt überhitzt war, dass ein Funke genügen würde, um zu Gewaltakten zu führen. Die Worte Jesu beim traditionellen Brotbrechen und vor dem Trinken des Weins, schienen den Jüngern sicher dunkel und mysteriös, auf etwas hindeutend, das sie nicht wollten: einen Abschied von Jesus. Über die Rolle des Judas kann man nur Spekulationen anstellen. Der Verrat ist sicher, aber die Motive dafür liegen im Dunkeln. Hatte auch er sich ein politisches Handeln von Jesus erwartet und handelte aus Enttäuschung? Lag ein persönlicher Grund vor? Wir wissen es nicht.

Wir wissen aber, dass Jesus sich der großen Gefahr, in der er schwebte, bewusst war, und wir wissen, dass er Angst hatte, dass er der Verzweiflung nahe war und nur durch das Gebet wieder zur Ruhe kam. Hier wird ganz deutlich, dass sich Jesus als Mensch an Gott wendet, ihn um Hilfe anfleht, sich aber dann dem göttlichen Willen (des "Vaters") unterwirft. 

Hier beginnt die Leidensgeschichte. Jesus wird festgenommen. Wir kennen die Stationen, die bis zu seiner Kreuzigung führten, nur zu gut: die Erniedrigungen und den Spott, dem er ausgesetzt war, die körperlichen Qualen, die Erschütterung, die es in ihm ausgelöst haben musste, dass dieselben Menschen, denen er geholfen hatte, die ihm noch wenige Tage zuvor zugejubelt hatten, nun schrieen: "Ans Kreuz mit ihm!" Und er wurde zum Tode verurteilt, zum Tod am Kreuz, der für die größten Verbrecher bestimmt war. Das von uns so verehrte Kreuz war nichts als ein grausames Folterinstrument. Der Weg zur Schädelhöhe, der Hinrichtungsstätte, war gesäumt von Menschen, darunter sicher viele, die ihn als begnadet erlebt hatten, und nicht vertehen konnten, wie es soweit kommen  konnte, dass über ihn die Todesstrafe verhängt wurde. Bestimmt aber auch viele Neugierige und Gaffer, Sensationslüsterne und Sadisten,  die sich am Leid anderer ergötzten. Auch Trauernde standen am Wegrand. Jesus ertrug diese Last geduldig, da er sie als Gottes Willen ansah. Er wurde nicht ans Kreuz gebunden, sondern genagelt, eine zusätzliche Erschwernis der verhängten Strafe. Als das Kreuz aufgerichtet wurde, zerrissen die starken Nägel das Fleisch und die Sehnen an seinen Händen und Füßen - eine unerträgliche Qual. Jesus fühlte sich verlassen, auch von Gott. Er fühlt ganz als Mensch, er verzweifelt. Wir dürfen annehmen, dass er in dieser tiefsten Not wieder betete. Nur so sind seine letzten Worte erklärbar: "Es ist vollbracht." In den letzten Augenblicken seines Lebens muss er sein Vertrauen in den "Vater" wiedergewonnen haben.

Für uns ist es trostvoll, dass selbst Jesus Gottesferne spürte, dass er verzagte, weil sein Draht nach oben gerissen schien. So können wir hoffen, dass wir trotz unserer Kleinmütigkeit und unserer Zweifel von Gott nicht im Stich gelassen werden. Er wird uns nahe sein, sei es auch nur in den letzten Augenblicken unseres Lebens.

Die größte Zuversicht gewinnen wir jedoch aus der Auferstehung. Jesus, der Sohn Gottes, war bis zu seinem Tode ganz Mensch; er war sich seiner göttlichen Natur nicht bewusst. Er litt als Mensch und war doch Gott. Wir können das nur schwer verstehen. Doch gerade die Tatsache, dass er erweckt wurde, in einer anderen, neuen Gestalt, noch erkennbar als Mensch und doch sichtlich mehr als das, lässt auch uns auf unsere Auferweckung hoffen.

In diesem Sinne feiern wir ein echtes Osterfest!

16. April 2019                                                                                                                                ame