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Pfarrinfo 20. bis 27. September 2020 (pdf)

Bist du morgen auch noch da?

    Ja, ich bin immer für dich da!

Ein Buch von Heinz Janisch hat den Titel: „Bist du morgen auch noch da?“.

Ich verwende es gerne für den Unterricht in der ersten Klasse Volksschule.

Es geht darin um Gustav, der in die Schule geht und entdeckt, dass ihn dabei ein blauer Bernhardiner begleitet. Allerdings kann nur er ihn sehen. Der Hund sagt „Ich bin so etwas wie ein Schutzengel.“. Dass sein Weggefährte auch die unsichtbaren Begleiter der anderen Kinder sieht, beruhigt Gustav ungemein. „Ich bin immer da, wenn du mich brauchst. Auch wenn du mich nicht sehen kannst“ sagt der blaue Bernhardiner am Schluss des Buches. Gustav schläft mit diesen Worten beruhigt ein. Die zum weiter Sehen anregenden Bilder von Julia Kaergel ergänzen die Worte von Heinz Janisch. Ein Buch - nicht nur für Kinder.

 

„Ich bin der Ich bin da.“ So nennt Gott seinen Namen, als er Moses am brennenden Dornbusch den Auftrag gibt, sein Volk Israel aus der Ungerechtigkeit Ägyptens zu befreien. Wenn jemand seinen Namen nennt, so wird in der Vorstellung der damaligen Zeit das Wesen und Wirken des Benannten greifbar (vgl. Stuttgarter Altes Testament, Kommentar und Lexikon, Herausgeber Erich Zenger). Gott gibt mit seiner Namensnennung 4 Eigenschaften an, so Thomas Staeubli in seinem Kommentar zu dieser Bibelstelle:

  • Zuverlässigkeit: Ihr könnt Euch auf mich verlassen, ich bin da, wenn ihr in Not seid.

  • Ausschließlichkeit: Ich bin ich und kein anderer.

  • Unbegrenztheit: Nicht einmal der Tod ist eine Schranke für mich.

  • Unverfügbarkeit: lasst Euch überraschen, wie ich wirken werde – ich bin der ganz andere.

Wir verwenden viele verschiedene Namen für Gott, es sind oft Eigenschaftswörter, mit denen wir unsere Beziehung/unsere Ahnung von Gott ausdrücken: Höchster, Allmächtiger, guter Herr, Majestät …

Mein schönster, wichtigster Name Gottes ist: „Ich bin der Ich bin da“.

Wir alle leben in Beziehungen. Im besten Fall geben sie uns in unserem Leben Halt. Dabei ist es oft nicht wichtig, große Geschenke zu machen, einander mit Zärtlichkeit zu überhäufen… sondern „einfach“ für einander da zu sein.

 

Versteht ihr jetzt mich, warum diese Geschichte für mich zu Beginn des Religionsunterrichts so wichtig ist? Wenn mir Schüler nach 8 Jahren Reliunterricht sagen können, sie wissen, einer ist für sie da  - dann habe ich mein Ziel erreicht.

Nachdem mir die Fotos unserer Pfarrjugend aus der Kirche St Lukas in Graz so gut gefallen haben, war ich spontan dort. Gott ist für mich wie ein Fels in meinem Leben, stark, unveränderlich. Das Nirosta im Felsen in St Lukas hat mich aber auch darauf aufmerksam gemacht, dass Gott nicht starr und unbeweglich ist, ich darf erstaunt sein, wie Er mir begegnet, wahrscheinlich oft unerwartet.

Im Kreuz sehe ich die Erlösung, die Gottes „Ich bin da“ mir verspricht, die Blume steht für mich für die Zärtlichkeit und Schönheit Gottes.

Ich bin dann noch weiter nach St Andrä in Graz gegangen – dort ist der Altar aus Spiegeln, kantig: ich war irritiert. Aber ist Gott nicht in jedem von uns? Können, ja müssen wir nicht Gott in jedem Menschen, auch in uns selbst entdecken?

Der Spiegel, die Brechung zeigt mir einen Hinweis auf die Unendlichkeit der Liebe Gottes, mit der Er für uns da ist.


Bist du morgen auch noch da?

 Ja, ich bin immer für dich da!



1. September 2020                                                               Gertrud Nemeth, Religionslehrerin