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unsere  chance ? !

 

In Zeiten wie diesen hat sich unser aller Leben verändert, für manche mehr, für manche weniger. Für viele von uns ist es ein Leben auf Sparflamme.

Ein winziges Etwas, ein Virus, hat unserer Gesellschaft Grenzen aufgezeigt und sie in die Knie gezwungen. Wir müssen uns damit abfinden, dass unser Alltag nicht mehr derselbe ist wie vor Ausbruch der Pandemie. Wir müssen Einschränkungen hinnehmen. Manche Menschen sind in lebenswichtigen Berufen tätig; sie sind gefordert, ein Übermaß an Arbeit zu leisten, um unser gesellschaftliches System nicht völlig zum Erliegen zu bringen. Ihre Zahl ist groß. Es sind alle, die mit Krankenversorgung und Pflege zu tun haben, Alle, die uns mit Nahrungsmitteln versorgen, alle, die unseren Müll entsorgen, alle, die uns Informationen liefern und viele mehr.

Menschen, die ihren Beruf von zu Hause ausüben können (Stichwort: Home Office) haben es nicht leichter, auch Eltern, die ihre Kinder nun den ganzen Tag über nicht nur versorgen und betreuen, sondern sie auch bei Laune halten müssen; ebenso Kinder, denen man oft schwer erklären kann, warum sie ihre Freunde jetzt nicht sehen dürfen.

Sie alle warten sehnsüchtig auf ein Ende der Restriktionen.

Besonders schwierig erweist sich die gegenwärtige Situation für alte Menschen. Sie treffen die Vorschriften und Verbote besonders hart. Sie sind mehr oder weniger ans Haus, an die Wohnung gefesselt. Sie sollen nach Möglichkeit in den eigenen vier Wänden bleiben und diese nur in Notfällen verlassen. Man weist darauf hin, dass ihre Einkäufe von hilfsbereiten Nachbarn oder von Angehörigen erledigt werden können. Und tatsächlich: Die Hilfsbereitschaft ist groß! Doch was machen kinderlose Senioren? Ihre Freunde haben die magische Grenze von 65 Jahren ebenso überschritten! Wenn ich die Praxis meiner Ärztin nicht betreten darf, um mir meine Medikamente von ihrer Hausapotheke abzuholen, bin ich natürlich dankbar, dass sie mir geliefert werden können. Aber ich denke mir, wenn in einer Gemeinde von über 2000 Einwohnern, darunter viele ältere Semester, nur 5 % ihre Medizin liefern lassen (müssen), bedeutet es einen gewaltigen Arbeitsaufwand für die Mitarbeiterinnen unserer Ärztin.

Doch schauen wir uns das „neue Leben“ der älteren Generation doch genauer an! Das einzige, was im Überfluss vorhanden ist, ist Zeit. Da kommt mir als erstes der Frühlingsputz in den Sinn. Den darf ich jetzt ganz allein erledigen, weil meine Haushaltshilfe, die sonst alle zwei Wochen das Gröbste übernimmt, jetzt natürlich nicht mehr zur Verfügung steht. Doch ein Tipp von einem Fitnesscoach soll mir da weiterhelfen: Wenn sie keine Zeit haben (ha, ha, ha!), um Sport zu betreiben, nützen sie doch die Hausarbeit, um fit zu bleiben. Gehen sie – mit geradem Rücken – in die Knie, und strecken sie sich weit nach oben, um das oberste Fach des Schrankes zu reinigen. Damit habe ich gleich 2 Probleme: Wenn ich in die Hocke gehe, komme ich nicht mehr hoch, und das oberste Fach des Kastens kann ich ohne Leiter nicht erreichen, weil ich nicht einmal 1,60 m groß bin. Ähnliche Ratschläge finden wir in den Zeitungen, werden uns im Radio oder Fernsehen täglich serviert.

Ein weiterer Ratschlag betrifft unsere Psyche, also unsere Seele. Da soll man zu sich selbst finden (Was habe ich denn da fast 80 Jahre lang versäumt?) Ich soll meditieren und in geistiger Gemeinschaft mit mir Nahestehenden beten (vom Beten steht  natürlich in keiner Zeitung!) Für mich erweist sich das als schwierig. Ich bin keine ausdauernde Beterin. Meine Gebete sind, mit wenigen Ausnahmen, spontan und kurz. Ich bin in der glücklichen Lage, einen Partner zu haben, der immer zu Gesprächen über alle möglichen Themen bereit ist, der (jetzt neu!) auch mit mir betet. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie aber geht es Menschen, die ganz allein leben, die keine Kinder haben, mit denen sie wenigstens telefonieren können, die ganz auf sich selbst gestellt sind, die nicht mobil genug sind, um auch nur vor dem Haus ein paar Minuten auf und ab zu gehen? Da wird das Alleinsein schnell zur Einsamkeit.

Junge Menschen und rüstige Senioren können in der jetzigen Situation sehr wohl eine Chance sehen, und sei es nur, dass sie eine „neue Dankbarkeit“ erlernen können.

Aber welche Chance haben die Einsamen?

Welche Chance haben jene, die sich auch von Gott verlassen fühlen?

Ich habe keine Antwort darauf, nur die Überzeugung, dass das wahre Osterfest kommen wird – irgendwann!

1. April 2020                                                                                                                  ame