Zum Inhalt

Zur Navigation

Schriftgröße

top

Die zeiten ändern sich

Der Kirche als Institution wird oft alles Mögliche und Unmögliche vorgeworfen: dass ihre Strukturen veraltet sind, dass sie sehr stark ihre Macht betont, die sie nicht mehr hat, dass ihre Liturgie heute nur mehr wenige Menschen anspricht, dass ihre Sprache eine sehr abgehobene und veraltete ist, dass sie als selbsternannte Moralhüterin frauen- und sexualfeindlich ist und in viele Gewalt-, Finanz- und Missbrauchsskandale selbst verwickelt ist.

Auch wenn diese Kritik berechtigt ist, merke ich doch in den letzten Jahren eine gravierende Änderung. Während die weltliche Gesellschaft immer konservativer wird, wird die Kirche immer moderner. Während die heutige Welt immer mehr nach rechts rückt, bewegt sich die Kirche nach links. Die Europäische Union wird nicht mehr als Lösung der politischen Probleme und der zukünftige Weg von Europa gesehen sondern immer stärker als die Ursache aller politischen Probleme. Dadurch treten nationalistische und populistische Strömungen vermehrt auf. Politiker mit zweifelhafter Haltung der EU und der Demokratie und ihrer Werte (z.B. Pressefreiheit) gegenüber werden immer beliebter und bedeutender. Die verletzende und untergriffige Kommunikationskultur in Politik und Gesellschaft (soziale Medien) wird immer salonfähiger. Diese Entwicklung macht mich als Europäer und Christ zumindest nachdenklich und macht mir Sorgen.

Auf der anderen Seite ist die Entwicklung der Kirche in den letzten Jahren in Schwung gekommen. Sicher dank der charismatischen Persönlichkleit des Papstes Franziskus. Er verzichtet auf Prunk, lebt bescheiden, moralisiert nicht, spricht mit den Menschen auf Augenhöhe, geht an die Ränder der Gesellschaft, versucht, die Kirche, die Kurie zu reformieren. Es geht nur langsam, sehr langsam, und der Reformstau ist sehr lang, aber die Kirche bewegt sich. Franziskus spricht eine menschennahe Sprache, verkündet das Evangelium verständlich. Mit ihm ist meine Begeisterung für die Kirche wieder zurückgekommen.

Wichtig wäre, dass die positive Bewegung der Kirche auch die politische Bewegung in Europa und in der Welt positiv beeinflussen würde. Wir dürfen uns nicht mit dem Spruch, "Alles kann man ja nicht haben", abspeisen lassen sondern uns um eine Welt bemühen, in der die Freude des Evangeliums spürbar wird. Das können wir jede und jeder zumindest in unserer Umgebung bewirken.

Viel Kraft dazu!


 



30. November 2018                                                                                                               gabriel

                                                                                                                                               Pfarrer