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jahreswechsel

Das alte Jahr hat sich verabschiedet, fast möchte ich sagen „davongeschlichen“, ganz so, als schämte es sich dafür, was es uns angetan hat. So ist dieser Jahreswechsel stiller als sonst abgelaufen, ohne große Partys, ohne Raketenknallen, ohne Menschenmengen auf den Plätzen, dicht an dicht gedrängt, ohne Feuerwerke. Silvester ist gewissermaßen zu einem Familienfest geworden. Im kleinen und kleinsten Kreis haben wir den Beginn des neuen Jahres erlebt. Für viele Menschen war das fast ein Katastrophenszenario: eine Neujahrsnacht wie jede andere Nacht – so normal, dass es schon beängstigend war. Viele fühlten sich unfrei, ihrer Selbstbestimmtheit beraubt, hilflos in dieser Situation, auch wütend, dass nicht nach Lust und Laune gefeiert werden durfte.

Ein wenig ist das „Silvestergefühl“ wohl den meisten abgegangen. Dennoch ist 2021 gekommen, ganz ohne ausgelassene Stimmung, ohne großes Spektakel. Vielleicht haben manche von uns die Zeit unmittelbar vor und nach Mitternacht auch besinnlicher verbracht als in den Jahren davor, haben nachgedacht darüber, was 2020 alles geschehen ist: Da gab es viele Unannehmlichkeiten, die alle mit dem Anfang des Jahres aufgetauchten Virus zusammenhingen. Wir mussten unsere Kontakte zu Freunden und Familienangehörigen reduzieren, wir durften nicht mehr ins Theater gehen, Konzerte wurden abgesagt und Sportveranstaltungen fanden ohne Publikum statt. Dazu kam die Angst: die Angst vor der Ansteckung, die Angst um ältere Familienangehörige, die Angst vor der Einsamkeit, die Angst vor einem einsamen Tod.

„Warum ist dieses Unheil über uns, über die ganze Welt, hereingebrochen?“, fragen sich viele. „Wie kann Gott so etwas zulassen oder gar wollen? Was haben wir getan, dass wir so gestraft werden?“  Ich glaube, dass solche Fragen müßig sind, und ich glaube nicht, dass die Pandemie gottgewollt oder gar eine Strafe Gottes ist. Ich glaube aber sehr wohl, dass diese Krankheit und alles, was mit ihr zusammenhängt, ein Anlass sein könnte (oder sollte), über unser Verhalten nachzudenken, zu begreifen, dass Gesundheit, Wohlstand, ja auch Freiheit (!) nicht selbstverständlich sind, dass wir dankbar sein müssen für alles, was uns an Gutem widerfährt und widerfahren ist – auch im vergangenen Jahr! Trotz allem Ungemach! Das Jahr 2020 hat uns (hoffentlich) gelehrt, dass wir verantwortlich handeln müssen, mit Rücksicht auf unsere Nächsten und auf uns selbst.

Wir müssen uns so verhalten, wie es für Christen selbstverständlich sein sollte: in jedem Menschen den göttlichen Funken sehen, ihn achten und, wenn nötig, hilfreich zur Seite stehen, dabei nie vergessen Gott zu danken für die Liebe, die er uns entgegenbringt, und ihn zu bitten, auch uns durch seine Gnade zu immer größerer Liebe zu führen.

Wenn wir die Liebe Gottes annehmen und diese Liebe, so gut wir unvollkommene Menschen es halt können, weitergeben, werden wir auch in schweren Stunden die Hoffnung nie verlieren.

Dann können wir dem neuen Jahr auch zuversichtlich und mutig entgegensehen. Mit Gottes Hilfe werden wir alles bewältigen können, was es uns bringt.

1. Jänner 2021                                                                                                                                ame