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mehr   leben

   

Seit jeher gedenkt der Mensch der Verstorbenen, seit ungefähr tausend Jahren tut dies die katholische Kirche ganz besonders zu Allerheiligen und Allerseelen.

In der Zeit rund um Allerseelen wird in vielen Menschen die Erinnerung an den Tod eines geliebten Menschen wach. Dabei werden uns die Endlichkeit und Vergänglichkeit unseres Daseins bewusst.

Der Tod ist ein Thema, mit dem viele Menschen nur schwer umgehen können. Ist jedoch Sterben, Tod und Trauer noch vor einigen Jahren kaum zur Sprache gekommen, so kann man in den letzten Jahren öffentlich geführte Diskurse zu Sterben und Tod, etwa Tötung auf Verlangen, assistierter Suizid, aktive Sterbehilfe, Hospizbewegung, Pränataldiagnostik usw. mitverfolgen.

Der Österreichische Verfassungsgerichtshof behandelt seit einem Jahr einen Antrag, das Verbot des assistierten Suizids und der aktiven Sterbehilfe aufzuheben und selbstbestimmtes Sterben zuzulassen. Die Antragsteller und die "Österreichische Gesellschaft für ein humanes Lebensende" (ÖGHL) setzen sich für "mehr Selbstbestimmung, Würde und Menschlichkeit am Lebensende" ein.

In Anbetracht dieser Debatte stellen sich mir folgende Fragen:

  • Gehört es zu den Grundrechten des Menschen, den Zeitpunkt seines Sterbens, seines Todes selbst bestimmen zu dürfen?

  • Was bedeutet es, in Würde zu sterben? Verliert ein Mensch wegen einer Krankheit oder im Sterben an Würde oder die Würde selbst?

  • Was ist ein humanes Lebensende?

  • Welche Beweggründe gibt es für den Menschen, den Zeitpunkt seines Sterbens selbst bestimmen zu wollen.

Der moderne Mensch, vor allem der Mann (Erziehung?!), möchte/muss jederzeit jede Situation fest im Griff haben, das gibt ihm Sicherheit und Macht. Den Beginn und das Ende des Lebens hat der Mensch jedoch (noch) nicht vollends in seiner Hand. Das macht ihn unsicher, verletzlich und ängstlich.  Als schwerwiegende Beweggründe für das Sterben-Wollen werden immer wieder die Ungewissheit und Ängste genannt.  Kranke und alte Menschen nennen vor allem die

  • Angst vor unerträglichen Schmerzen,

  • Angst, auf andere Menschen angewiesen zu sein,

  • Angst, für andere Menschen eine Last zu sein,

  • Angst, für die Angehörigen eine finanzielle Belastung zu sein,

  • Angst vor dem Alleinsein.

Wie können wir diesen Ängsten begegnen? Wie können wir sterbenden Menschen diese Ängste nehmen oder zumindest verringern?

Eine Möglichkeit wäre, es den vielen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Hospizbewegung gleich zu tun, die täglich versuchen, dem Leitsatz ihrer Gründerin gerecht zu werden:

"Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben,
sondern den Tagen mehr Leben." (Dr. Cicely Saunders)

 

 

1. November 2020                                                                                                                                                                    

   Martin Haas