Zum Inhalt

Zur Navigation

Schriftgröße

top

Gehorsam und folgsamkeit

Es gibt Wörter, die ich in meiner Kindheit oft hörte; darunter waren, neben "brav", "gehorsam" und "folgsam". Heute werden sie nur noch selten gebraucht, und sie haben oft einen negativen Beigeschmack. Damals verlangte man von Kindern beides: Sie sollten den Aufforderungen von Eltern, Lehrern und allen Autoritätspersonen " gehorchen", d.h. ihren Vorschriften möglichst sofort entsprechen. Dasselbe bedeutete das Wort " folgen". Für Erwachsene hatten diese Wörter noch die Nebenbedeutung der Unterwürfigkeit, Machtlosigkeit und dem einer Obrigkeit Ausgeliefert- Sein.

Es gibt eine Variante, den "blinden Gehorsam", d.h. Befehle auszuführen, ohne über deren Bedeutung und Folgen nachzudenken.  Vor allem im militärischen Bereich wurde und wird dies gefordert, und Befehlsverweigerung wird drastisch bestraft. Diese Art des Gehorsams sollte heute keinen Platz mehr in der Gesellschaft haben. Der denkende Mensch sollte seine Be-denken auch vorbringen dürfen. Eine weitere Besonderheit bildet der "vorauseilende Gehorsam", der darin besteht, die Absichten von Vorgesetzten vorauszuahnen und diese umzusetzen, bevor noch eine Aufforderung dazu ergeht. Zweck der Übung: Man will sich "Liebkind" machen und verspricht sich davon Vorteile.

Das klingt alles sehr negativ, dabei steckt in beiden Wörtern Positives: Gehorsam kommt von "hören". Es ist die erste Kontaktaufnahme eines Babys mit der Umwelt. Es hört den liebevollen Tonfall der Eltern, wenn sie zu ihm sprechen, vielleicht auch ein Wiegenlied. Das Hören trägt dazu bei, dass sich das kleine Wesen geborgen fühlt. Das Hören ist jedoch auch für uns Erwachsene von Bedeutung. Durch Hören lernen wir. Wir lernen über Wissensbereiche, aber erlangen auch Kenntnis über Menschen unserer Umgebung und ihre Gefühle. Oft hören wir zwar vieles, hören aber nicht zu.

Es hat einen tiefen Sinn  wenn der Priester die Ohren eines Säuglings berührt. Sie sollen geöffnet werden, nicht nur, um Geräusche und Laute aufzunehmen, sie sollen auch zuhören können. Der Säugling soll auch auf das Wort Gottes hören lernen. Erst dann wird er darüber reden  können und es weitergeben. Doch nicht beim Sprechen sollen wir haltmachen. Wir müssen auch etwas tun: folgen! So wie Kinder dem Vorbild der Eltern folgen sollen (vorausgesetzt die Eltern sind auch Vorbilder), so sollen wir Christen, wie einst die Jünger, Jesus nachfolgen.

Kurz gesagt: Wir sollen ge"hor"sam und "folg"sam sein.


 



1. Oktober 2018                                                                                                                                                                   ame