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kirche  jesu ?

In „miteinander“ setzt sich Josef Grünwidl damit auseinander, wie Kirche in der Corona-Krise funktioniert hat und wie sie daraus lernen kann.

 

Über die Situation der vergangenen Monate wissen wir alle Bescheid. Verzicht auf vieles war angesagt. Gottesdienste durften nicht stattfinden, später nur unter Auflagen (Masken, Desinfektion, Abstand-Halten). Die Erstkommunion musste verschoben werden, es gab keine Bibelrunden, keine Agape, keine Feiern in den Pfarrgemeinden. Selbst die Zahl der Trauernden wurde bei Beerdigungen begrenzt.

Immer wieder wurde von kirchlichen Vertretern betont, wie viele Möglichkeiten es dennoch gäbe, seinen Glauben zu leben. Streaming-Gottesdienste wurden als gleichwertiger Ersatz für die Sonntagsmessen angepriesen, „Hauskirchen“ dringend empfohlen.

Ich hege die Befürchtung, dass wir daraus lernen könnten, dass die Eucharistiefeier ohnehin nicht so wichtig ist, wie wir immer geglaubt haben. Kann uns das Lesen der Bibel das erklärende Wort des Priesters ersetzen? „Beten kann ich überall:“ Diese Worte sind nicht neu. Auch vor der Corona-Zeit waren sie oft zu hören – oft als Ausrede für versäumte Sonntagsmessen. Diese Worte kann man auch nicht widerlegen, nur ist Beten eine individuelle, private Angelegenheit. So wertvoll das Gebet ist, Eucharistie ist etwas Anderes – ein Auftrag Jesu: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Bedeuten uns die Worte Jesu nichts mehr?

Josef Grünwidl stellt sich die Frage, ob sich die Kirche – und auch er selbst als Pfarrer -nicht zu wenig in dieser schwierigen Zeit engagiert hat. Er fragt sich, ob es nötig war, wortlos zu akzeptieren, dass Baumärkte wichtiger waren als Kirchen. – Und er gibt eine Antwort, die uns alle nachdenklich machen soll: „Wir haben uns nicht zu sehr herausgehalten, vielmehr hat die Krise schonungslos gezeigt, was auch vorher schon war: Es mangelt der Kirche an Präsenz in der Gesellschaft und an Lebensrelevanz in der Verkündigung.“

 

Daraus muss notgedrungener Weise der Schluss gezogen werden, dass Kirche aus der Krise lernen sollte, nicht zu der „Normalität vor Corona“ zurückzukehren. Sonst könnte es geschehen, dass sich die halbleeren Kirchen der Corona Zeit nicht mehr füllen.

1. September 2020                                                                                                                           ame