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NICHT  GESEGNETE  HOMOSEXUALITÄT

 

Am 16. März hat die Glaubenskongregation im Vatikan erklärt: Die katholische Kirche hat keine Vollmacht, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu segnen. Diese Verbindungen entsprechen nicht dem göttlichen Willen und können daher nicht gesegnet werden.  

Seither gab es zahlreiche kritische Stimmen, die dieses kirchliche Schreiben ungerecht und nicht richtig finden. Es ist ermutigend, dass die kritischen Stimmen auch von den österreichischen Bischöfen kommen – darunter Kardinal Christoph Schönborn - sowie von vielen namenhaften Theologen und zahlreichen Priestern. Das ist schon etwas Positives, wenn nicht alle einer Meinung sind. Die Einheit der Kirche besteht nicht in dem, dass keiner eine andere Meinung haben darf, sondern dass die Gemeinschaft der Kirche und Kirchen in der Freiheit und Unterschiedlichkeit der Meinungen zueinandersteht, dass andere Meinungen nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung betrachtet werden. Papst Franziskus hat diese Atmosphäre in die Kirche (wieder) hineingebracht. Ich bin überzeugt, und zahlreiche Beispiele bestätigen das, dass eine derartige Kritik gegen ein Schreiben aus Rom unter den vorherigen Päpsten ohne Konsequenzen nicht möglich gewesen wäre. So hat dieses Schreiben auch eine positive Wirkung.   

Ich selbst finde dieses vatikanische Dokument für unsere Zeit unangebracht. Jetzt, wo die Welt seit mehr als einem Jahr mit einer Epidemie und ihren vielen Folgen wortwörtlich kämpft, wo in der Welt viele andere Probleme wie Klimazerstörung, Ausbeutung der ärmeren Länder, Flüchtlingsbewegung im Vordergrund stehen, beschäftigt sich die Glaubenskongregation mit einer Frage, die derzeit, meiner Meinung nach, keine Priorität hat.

Abgesehen davon, finde ich die Argumentation des Dokumentes für die heutige Zeit überholt. Mit dem Willen Gottes und der Natur zu argumentieren und dabei viele Menschen zu verletzen, finde ich unverantwortlich.

Homosexuelle Menschen sind kein Nebenprodukt, kein Fehler Gottes. Sie sind so, wie sie sind und ein Geschenk Gottes. Und wenn sich zwei Menschen entscheiden, seien sie hetero- oder homosexuell, miteinander in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit zusammenzubleiben und wenn sie dazu in der heutigen Zeit auch den Segen Gottes erbitten, sollten wir als Kirche nicht die Chance verpassen, sie zu verlieren.

Wir als Kirche sollten diejenigen sein, die die Menschen zu Gott führen und sie nicht von ihm abbringen. Das ist eine große Verantwortung.    

1. April 2021                                                                                                                              gabriel